Montag, 30. Mai 2011

Die Vertraute - Eva Ibbotson


Wien vor hundert Jahren: Susanna Weber führt am beschaulichen Madensky-Platz einen Modesalon. Frau Susanna, wie sie von ihren Nachbarn und Kunden genannt wird, hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen, die ihren Rat suchen. Sie hat das Herz auf dem rechten Fleck, und egal ob es um ein unglückliches Wunderkind geht, um einen Vater, der sich so sehr einen Sohn wünscht und mit sieben Töchtern gesegnet ist, ob für freiwillige oder unfreiwillige Vegetarier, für ihre revolutionäre Näherin oder einen Metzger auf Freiersfüßen, Susanna findet immer die passenden Worte des Trostes. Mit ihren lebensklugen Ratschlägen rettet sie so manche verfahrene Situation. Dabei verdrängt sie gerne ihre eigenen Sorgen, denn hinter der adretten und unbeschwerten Fassade hat auch Susanna ein paar Geheimnisse, die ihr von Zeit zu Zeit aufs Gemüt schlagen. Und dann wird die Idylle ganz plötzlich getrübt, und nicht nur Susannas Existenz ist in Gefahr, sondern der ganze Madensky-Platz mit allen Anwohnern ist bedroht, denn die Häuser dort sollen abgerissen werden…

Ein Jahr lang vertraut die sympathische Ich-Erzählerin ihrem Tagebuch alles an, was rund um den Madensky-Platz geschieht und was sie mit ihren Nachbarn, Kunden und Freunden erlebt. Man hat beim Lesen das Gefühl, als würde ein Hauch der damaligen Zeit herüberwehen. Leicht und beschwingt wirkt der Roman auf den ersten Blick, und der Wiener Charme wird spürbar. Mit Humor und Herzenswärme plaudert Susanna über ihren Alltag und über besondere Ereignisse. Die liebenswerte Art, wie sie Probleme anpackt, lässt einen schmunzeln. Doch sie Geschichte hat auch ernste Töne, die von Trauer, Angst und Enttäuschung berichten. „Die Vertraute“ ist ein wunderbarer Roman, der das Flair der guten alten Zeit perfekt herüberbringt, romantisch, einfühlsam und mit viel Zeitkolorit ausgeschmückt.

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