Dienstag, 15. Februar 2011

Die Pelzhändlerin - Ines Thorn


Frankfurt im Jahr 1462: Als Kürschnermeister Wöhler einen Brief mit der Nachricht vom Tod seiner einzigen Tochter Sibylla liest, stirbt er im Schock an einem Herzanfall.

Nur die Wäscherin Martha ist bei seinem Tod zugegen und nimmt den Brief in der ersten Aufregung an sich. Als sie sich das Schreiben später vorlesen lässt, kommt ihr der Gedanke zu einem sehr gewagten Plan: Marthas eigene Tochter, die ein hoffnungsloses Leben als Wäscherin in einem Siechenhaus vor der Stadt fristet, soll Sibyllas Platz einnehmen, denn sie sah der Wöhlers-Tochter immer sehr ähnlich. Luisa findet sich erstaunlich schnell und gut in das neue Leben, aber egal was sie von nun an tut, die Angst vor Entdeckung begleitet sie auf Schritt und Tritt. Um den väterlichen Betrieb weiterführen zu können, muss Sibylla einen Kürschnermeister heiraten, und dann begegnet sie der Liebe ihres Lebens. Egal wie sie sich entscheidet, es wird immer ein Verlust für sie sein.

Die Romanfigur Sibylla hat mich absolut gefesselt. Trotz ihrer inneren Ängste geht sie unbeirrt ihren Weg, baut sich ein Unternehmen auf, das seinesgleichen sucht. Dabei stellt sie ihr privates Glück hinten an, weil ihr die Zunft keine Wahl lässt. Würde sie ihrer großen Liebe folgen, wäre die Kürschnerei für sie verloren. Also heiratet sie einen ungeliebten Mann und stürzt sich in die Arbeit. Sie ist, was man heutzutage als „Workaholic“ bezeichnen würde, eine Karrierefrau im ausgehenden Mittelalter. Ihr ganzes Verhalten, ihre Entscheidungen für den Erfolg und gegen ihr persönliches Glück, prägen und verändern Sibylla mit der Zeit. Was ihr eine alte Wahrsagerin einmal prophezeite, sie würde nur durch die Liebe heil werden können, scheint sich zu bewahrheiten. Sibylla wirkt zerrissen. Einerseits sucht sie fortwährend ihr eigenes Ich, zugleich läuft sie aber vor sich selbst und ihren Erinnerungen davon, setzt sich dabei über die persönlichen Wünsche hinweg.

Ein faszinierender Gedanke ist, dass Sibylla ein reales Vorbild hat. Zur damaligen Zeit lebte Margaretha Weickmann in Frankfurt, und auch wenn über ihr Leben nicht mehr allzu viel bekannt ist, finde ich es spannend, zu überlegen, wie es wohl damals wirklich gewesen sein könnte.

Andrea Hörnke-Triess ist als Sprecherin für dieses Hörbuch die perfekte Wahl. Sie liest die Geschichte mit großem Nachdruck und zugleich mit viel Gefühl, was die Charaktere noch intensiver erscheinen läßt. Sibyllas Schicksal hat mich von Anfang bis Ende gefesselt, und ich finde, es ist eine „runde“ Geschichte mit einem überzeugenden Ausgang.

1 Kommentar:

  1. Ich habe das Buch gelesen und fand es auch toll! Es gibt dann noch zwei Nachfolgebände...will ich hier nur anmerken...LOL!!
    Liebe Grüße
    Martina

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