Sonntag, 23. Januar 2011

Oksa Pollock. Die Unverhoffte - Anne Plichota, Cendrine Wolf


Über Nacht gerät das Leben der 13jährigen Oksa aus den Fugen, als sie plötzlich feststellt, dass sie unheimliche Kräfte besitzt. Gerade erst ist sie mit ihrer Familie nach London gezogen, und an ihrer neuen Schule ist nicht alles erfreulich. Da gibt es beispielsweise den unsympathischen Klassenlehrer McGraw, der ihr das Leben schwer macht. Außerdem wird sie noch von einem älteren Jungen belästigt. Zu allem Überfluss entdeckt sie dann noch ein sternförmiges Mal um ihren Bauchnabel. Als sie von ihrer heilkundigen Großmutter eine Salbe für den „blauen Fleck“ haben möchte, reagiert diese ganz aufgeregt. Und dann kommt Oksa Pollock, von Natur aus neugierig, beim Lauschen an der Türe einem Familiengeheimnis auf die Spur.

Sie erfährt, dass ihre Großmutter, ihr Vater und sie die direkten Nachkommen einer Herrscherin in einem fernen, unbekannten Land, genannt Edefia sind. Das Blaue Zeichen auf ihrem Bauch weist sie als die nächste „Huldvolle“ aus, wie ihre Urgroßmutter in der alten Heimat genannt wurde. Gerade ist Oksa noch dabei, diese Neuigkeiten zu verdauen, da lernt sie die Gefährten ihrer Großmama Dragomira kennen, alles Geschöpfe aus Edefia, welche die Familie bei der Flucht vor vielen Jahren begleitet haben.

Nur ihren besten Freund Gus weiht Oksa in ihr neues Geheimnis ein, und gemeinsam mit ihm und ihrer Familie stellt sie sich den Herausforderungen und Gefahren, die sie in ihrem neuen Leben erwarten.

Oksa Pollock wird gerne mit Harry Potter verglichen, und es gibt sicher auch diverse Ähnlichkeiten, die schon durch das „magische Erbe“ bedingt sind. Aber genauer betrachtet, sind die beiden Geschichten doch ganz verschieden. Das geht bereits mit dem familiären Hintergrund los, denn Oksa wächst in einem starken und liebevollen Familiengefüge auf und verlebte bisher im Kreise ihrer Lieben eine glückliche, behütete Kindheit. Als ihre besonderen Fähigkeiten zu Tage treten, muss sie zwar selbst damit fertig werden, hat aber immer die Unterstützung der ganzen Familie. Die vielen außergewöhnlichen Geschöpfe, die den Wohnbereich ihrer Großmutter bevölkern, sind alle sehr liebevoll und originell beschrieben und liegen der jungen „Huldvollen“ voller Ehrerbietung zu Füßen. Und dann ist da noch ihr bester Freund Gus, auf den sie sich immer verlassen kann. Aus diesem stabilen Hintergrund und der uneingeschränkten Unterstützung, die sie zu Hause erhält, erwächst wohl auch ihre Stärke, mit der sie sich den neuen Problemen und Herausforderungen stellt.

Alle Charaktere sind sehr ausführlich geschildert, und man kann sich gerade die fremdartigen kleinen Wesen sehr gut vorstellen. Bei der Namensgebung hätte ich mir etwas mehr Einfallsreichtum gewünscht, denn wieso muss beispielsweise Dragomiras liebenswerter kleiner Haus- und Hofmeister ausgerechnet „Plemplem“ heißen? Viele der magischen Geschöpfe haben Namen, die auf …ix enden, was mich unweigerlich an die Comic-Einwohner eines kleinen gallischen Dorfes erinnert. Da ich nur die deutsche Ausgabe der Geschichte kenne, weiß ich nicht, ob diese Namen vom Original übernommen oder bei der Übersetzung geändert wurden.

Die Handlung ist insgesamt spannend, kurzweilig und sehr phantasievoll, wenn es auch die eine oder andere Länge gibt. Am Ende bleiben einige offene Fragen, die auf eine rasche Fortsetzung hoffen lassen. Sprachlich und inhaltlich ist es auf jeden Fall ein lesenswertes Jugendbuch mit einer starken jungen Heldin.

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