Montag, 18. Oktober 2010

Der Minnesänger - Tim Pieper


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So ähnlich könnte er wirklich gelebt haben: Hartmann von Aue, 1160 als zweiter Sohn eines unfreien Dorfschulzen und einer Heilerin geboren. Der Vater Dankwart steht im Dienst des Herzogs von Zähringen, und als er diesem im Schlachtgetümmel das Leben rettet, gewährt ihm Berthold einen Wunsch. Dankwart wählt für die Zukunft seines Zweitgeborenen, er möchte, dass dieser eine Klosterschule besuchen darf.

Das strenge Leben im Kloster ist hart für den intelligenten Jungen aus einem liebevollen Elternhaus, der jederzeit für Gerechtigkeit und Freiheit einsteht. Als er von einem fahrenden Musikanten das Harfenspiel lernt und sich in seiner freien Zeit immer häufiger der Musik und dem Gesang widmet, hat das für ihn dramatische Konsequenzen. Aber diese Erlebnisse prägen ihn für’s Leben. Als Hartmann über die Pfingsfeiertage nach Hause kommt, trifft er seine Freundin Judith aus Kindertagen wieder. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebe, und sie verabreden sich für Hartmanns nächsten Besuch, zum Osterfest im Jahr darauf.
Judith wartet vergebens. Sie ist unsicher und verwirrt und willigt schließlich in eine von ihrer Mutter arrangierte Hochzeit ein. Zu spät entdeckt sie das wahre Wesen ihres Ehemanns August, und es beginnt eine wahre Leidenszeit für die junge Frau. Hartmann ist bestürzt, als er von Judiths Heirat erfährt, denn nun ist sie unerreichbar für ihn geworden.

Über das wahre Leben Hartmanns von Aue ist nur wenig bekannt. Aus den spärlichen Quellen und Hinweisen hat Tim Pieper eine wunderbare, lebendige Geschichte geschaffen. Reale historische Daten und Ereignisse hat er mit seiner Fiktion zu einer perfekten Einheit verbunden, der man in ihrer Leichtigkeit die sicher aufwändige Recherche nicht anmerkt. In seinem Debütroman erzählt er von Liebe, Ehre und Treue, aber auch von Hass und Verrat.
Das Leben eines Minnesängers zur damaligen Zeit war wohl bei weitem nicht so romantisch, wie wir uns das heutzutage vorstellen. Der Autor beschreibt Hartmann als Ritter, Diplomat und Berater, dessen Dichtkunst nicht nur der Freude diente, sondern auch als Spielball in der Politik eingesetzt wurde.
Mit Judith hat das Buch eine starke weibliche Protagonistin, die gegen das ihr wiederfahrene Unrecht aufbegehrt und sich zur Wehr setzt. Im Mittelpunkt des Romans steht ihre Liebe zu Hartmann, die so aussichtslos erscheint. „Der Minnesänger“ ist für mich jedoch kein reiner Liebesroman, sondern ein farbenprächtiger, sehr schön zu lesender und spannender historischer Roman, der die Faszination des Hochmittelalters förmlich greifbar macht.


1 Kommentar:

  1. Hallo Susanne,

    ich habe gerade deine schöne Rezi gelesen und freue mich sehr, dass dir "Der Minnesänger" spannende Lesestunden bereitet hat.

    Liebe Grüße
    Tim

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