Freitag, 29. Oktober 2010

Der Duft des Mangobaums - Jan Winter


1935 steht die junge Deutsche Alma an der Schwelle zu einem neuen Leben. Mit ihrem kleinen Sohn Albert reist sie per Schiff in die englische Kolonie Malaya, wo ihr Mann Howard eine Kautschukplantage leitet. Sie ist zuversichtlich und lässt ihre Vergangenheit gerne hinter sich, denn die Erlebnisse des ersten Weltkrieges lasten noch auf ihr, und sie hat die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Unterwegs schließt sie nette Bekanntschaften, erlebt aber auch Negatives, denn die Einstellung mancher Engländer zu den Malaien ist nicht gerade freundlich.
Bei ihrer Ankunft in Penang sieht alles zuerst so vielversprechend aus, und Alma ist von der neuen Umgebung begeistert, aber schnell merkt sie, dass sich Howard während der Zeit ihrer Trennung verändert hat. Ihr Mann ist ihr fremd geworden. Trotz aller Enttäuschungen versucht Alma, das Beste aus dieser Situation zu machen. Doch bald trifft sie wieder ein Schicksalsschlag, ihr Mann stirbt nach einem schrecklichen Unfall.
Allein auf sich gestellt, verlässt sie mit ihrem Sohn die Plantage, um sich erneut eine Existenz zu schaffen. Sie findet Unterstützung bei dem einheimischen Arzt Samad, den sie bereits auf der Schiffsreise kennen gelernt hat, und in Raymond, einem Australier, Einzelgänger und Besitzer der Nachbarplantage. Aus Deutschland, wo sie ihren Vater zurückgelassen hat, erhält Alma beunruhigende Nachrichten, denn es stehen wieder alle Anzeichen auf Krieg, und selbst in der Ferne gerät die junge Frau in Gefahr.

Der Autor fesselt seine Leser mit der eindrucksvollen und farbenprächtigen Beschreibung des Landes und seiner Einwohner. Dass er Malaya sehr gut kennt und liebt, merkt man an vielen kleinen Details, die das Flair dieses Landes gut zum Ausdruck bringen. Alma wird als starke und tolerante Frau beschrieben, die sich nicht so leicht entmutigen lässt. Sie geht herzlich und offen auf die Einheimischen zu, was sie von Anfang an sehr sympathisch macht.

Lediglich einen kleinen Kritikpunkt habe ich anzumerken. Im letzten Drittel der Geschichte neigt Alma zu Entscheidungen und Handlungen, die meiner Meinung nach nicht so zu ihrem anfangs beschriebenen Charakter passen. Sie kann sich plötzlich nicht entscheiden, weiß nicht recht, was sie will und handelt ihren Prinzipien entgegen, was an der Tiefe ihrer Gefühle zweifeln lässt. Auch die anderen Protagonisten wirken zum Teil etwas oberflächlich und nicht so ganz glaubwürdig. Ich möchte jedoch nicht näher auf diesen Punkt eingehen, denn damit würde ich zu viel von der Handlung verraten.

Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen, denn er ist spannend, kurzweilig und informativ. Der historischee Hintergrund ist ausführlich recherchiert, und man merkt sehr deutlich, welche riesigen Ausmaße damals der zweite Weltkrieg hatte. Auf jeden Fall hat Jan Winter mein Interesse an diesem Land und seiner Geschichte geweckt.

Vielen Dank an Vorablesen und an den Verlag Marion von Schröder für die Übersendung des Rezensionsexemplars.

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