Dienstag, 24. August 2010

Die roten Stiefeletten - Anne Perry


Kurzbeschreibung:
England, Ende des 19. Jahrhunderts. Lord Augustus Fitzroy-Hammond wird eines Nachts in London als Kutscher einer Droschke gesehen. Das ist an sich nichts Besonderes. Wie sich aber herausstellt, ist der Mann tot und wurde vor vier Wochen beerdigt. Mit dem erneuten Fund einer Leiche, die dem verstorbenen Lord verdächtig ähnlich sieht, nimmt das Grauen seinen Lauf. Inspektor Thomas Pitt von Scotland Yard wird mit dem Fall betraut und tappt im Dunkeln. Mysteriöse Fragen rücken ins Licht der Ermittlungen: Wer hat Interesse daran, einem Toten auf diese Weise die Ruhe zu rauben? Wo ist das Motiv? Und welche Rolle spielt die frisch verliebte Witwe?
Wenn die Nacht über London hereinbricht....

Meine Meinung:* * *

Inspektor Thomas Pitt wird mit einem seltsamen Fall beauftragt: In einer kalten, ungemütlichen Januarnacht fällt in London ein Toter vom Kutschbock einer Droschke.
Es handelt sich um den vier Wochen vorher verstorbenen und bereits begrabenen Lord Augustus Fitzroy-Hammond. Die Polizei steht vor einem Rätsel, wer hinter der Grabschändung stecken könnte. Hat vielleicht die junge Witwe des Verstorbenen etwas damit zu tun? Thomas Pitt tappt bei seinen Ermittlungen lange Zeit im Dunkeln. Sein Verdacht, der Lord könnte keines natürlichen Todes gestorben sein, lässt sich nicht beweisen. Und dann tauchen weitere Tote auf, die alle eigentlich bereits beerdigt worden waren, ansonsten aber keine Gemeinsamkeit haben. Die verschiedenen Spuren führen immer wieder in die sogenannte „feine Gesellschaft“.

Der Roman beginnt recht gruselig, die Atmosphäre ist düster und unheimlich in dieser Nacht, als die erste Leiche auftaucht. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden immer wieder frühere Situationen und Personen erwähnt, von denen ich nichts wusste, denn es war mein erster Roman der Autorin. Leider habe ich erst dann bei meinen Recherchen festgestellt, dass dies bereits der vierte historische Krimi mit Imspektor Pitt und seiner Frau Charlotte ist und sich die Bemerkungen auf die damaligen Fälle beziehen. Ich konnte zwar der Handlung trotzdem ohne Probleme folgen, aber so einiges wäre wohl von Anfang an klarer gewesen, hätte ich vorher von den drei früheren Bänden gewusst.
Der rätselhafte Kriminalfall zieht sich auch ziemlich in die Länge, es wird viel geredet, und es kommen verwirrend viele Leute ins Spiel, die mehr oder weniger verdächtig sind. Parallel zu den Todesfällen gibt es noch einen Handlungsstrang, in dem sich eine Gruppe angesehener Personen um einen Gesetzentwurf bemüht, der die Situation der Menschen in den Armenvierteln und Arbeitshäusern der Stadt verbessern soll. Im Gegensatz zum eigentlichen Hauptteil der Handlung fand ich diese Passagen weitaus interessanter, wenn auch sehr bedrückend. Anne Perry schildert die Lage der Betroffenen sehr authentisch, so dass man das Elend fast riechen kann. Hier sehe ich die eigentliche Stärke der Autorin. Sie hat ein außerordentliches Gespür, Atmosphäre durch Beschreibung zu vermitteln. Ich denke auch, dass ihr die Darstellung dieses  Elends, das in weiten Teilen Englands im viktorianischen Zeitalter herrschte, sehr am Herzen liegt.
Der Ausgang der Geschichte war für mich recht unbefriedigend. Viele Details der Handlung blieben bis zuletzt ungeklärt.
Ein völliges Rätsel ist mir, wieso das Buch in der deutschen Übersetzung unter dem Titel „Die roten Stiefeletten“ erschienen ist, denn im ganzen Roman kommen keine derartigen Schuhe vor. Der Originaltitel Resurrection Row ist da viel passender. Außerdem habe ich mittlerweile erfahren, dass der gleiche Roman weiterhin unter dem Titel „Der letzte Akt“ erschienen ist, was dem Buchinhalt ebenfalls viel besser entspricht.

Kommentare:

  1. Meine Mutter ist ein großer Fan der Autorin und hat daher cie meisten Romane (auf deutsch) zuhause. Wie man auf "Die roten Stiefeletten" kommt, habe ich mich auch immer gefragt.
    In den Romanen geht es, glaube ich, weniger um den Kriminalfall, sondern meist um die Leute und ihre Beziehungen. Ungeklärt ist vieles, weil es mehrere Teile von Pitt gibt, nächstes Jahr erscheint Teil 19 ;)
    Ich fand das Buch ok, aber auch nicht recht herausragend. Kann mir aber vorstellen, dass man im weiterlesen der Serie gefangen wird. Wie bei Telenovelas ...

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  2. Das kann ich mir auch gut vorstellen, dass man mehr wissen möchte, wenn man erst einmal einige fortlaufende Bücher über Pitt & Co. gelesen hat.
    Wie gesagt, es ist nicht schlecht, aber ich werde vermutlich nicht weiter in die Reihe einsteigen. Man soll natürlich niemals "nie" sagen *ggg*

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  3. ;)
    Ich habe auch schon drei gelesen, obwohl ich eigentlich kein Krimityp bin ;)

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