Samstag, 28. August 2010

Am Ende des Weges - Will North



Zum Inhalt:
Der fünfzigjährige Amerikaner Alec ist die Strecke von London nach Wales zu Fuß gegangen. Es ist eine Art Pilgerreise für ihn, um den letzten Wunsch seiner verstorbenen Ex-Frau zu erfüllen: ihre Asche auf dem Gipfel des Cadair Idris zu verstreuen. Als ihn ein Unwetter überrascht, findet er Unterkunft auf der Schaffarm der Edwards, wo Fiona, seit einer schweren Erkrankung ihres Mannes, eine Bed & Breakfast-Pension betreibt, um die Existenz zu sichern. Während Alec auf geeignetes Wetter zur ziemlich schwierigen und mühsamen Besteigung des Berges wartet, macht er sich auf der Farm nützlich. Zu Fiona fühlt er sich auf unerklärliche Weise vom ersten Augenblick an hingezogen, und das beruht auf Gegenseitigkeit. Im Anbetracht der Situation ist es indiskutabel, aber Fiona und Alec verlieben sich ineinander, und dann fordert ein Unfall folgenschwere Entscheidungen…

Meine Meinung:
Sehr behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl beschreibt der Autor die Situation der Liebenden und ihrer Umgebung. Fiona und Alec wissen, dass ihre Beziehung wider alle Vernunft ist, und doch können sie nicht anders, denn vom ersten Moment an haben sie den Eindruck, vom Schicksal füreinander bestimmt zu sein. Beide fühlen sich David gegenüber schuldig, aber es ist für sie nicht nur eine kleine Affäre oder Abwechslung im Alltag, sondern es entwickelt sich schnell eine tiefe Zuneigung, auf der Basis von Vertrauen und gegenseitiger Fürsorge. Will North schildert die Situation nicht einfach schwarz-weiß, sondern betrachtet die miteinander verbundenen Schicksale sowie die Gedanken und Empfindungen der Protagonisten in all ihren Facetten. Alec ist ein besonnener und sehr sympathischer Mann, der mit seinen Gefühlen nicht leichtfertig umgeht. Fiona ist hin- und her gerissen zwischen der Liebe zu Alec und der Loyalität zu ihrem schwer kranken Mann, mit dem sie all die Jahre eher zweckmäßig und aus Vernunftgründen zusammen war. Ihr ist bewusst, dass sie Ehebruch begeht, aber ihre Beziehung zu Alec fühlt sich für sie trotz allem richtig an. Als Leser kann man ihre Empfindungen und Gedanken gut nachvollziehen und verstehen.
Vor der traumhaften Kulisse der walisischen Landschaft, die den wilden Cadair Idris umgibt, erleben die Protagonisten schöne und traurige Stunden. Sie sind glücklich und zugleich voller Wehmut. Der Autor ist mit diesem Roman ein wunderbares und sehr gefühlvolles Debüt gelungen, das zu keinem Moment seicht oder trivial wirkt, es könnte genau so passiert sein. Dass die Liebenden in der Geschichte bereits die Mitte des Lebens überschritten haben, ist ein weiterer interessanter Aspekt, der den Roman zu etwas Besonderem macht.

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