Donnerstag, 8. Juli 2010

Die Zeichenkünstlerin von Wien - Beate Maly


Kurzbeschreibung:
Wien 1421. Die junge Jüdin Sarah Isserlein soll einen strengen Rabbi heiraten, dabei würde sie viel lieber den ganzen Tag zeichnen und malen. Da sieht der Steinmetz Mathes Rock, der am Bau des Stephansdoms mitarbeitet, eine ihrer Zeichnungen und bittet sie heimlich um Hilfe bei einem Entwurf. Trotz der Gefahr, sowohl Juden als auch Christen gegen sich aufzubringen, kann Sarah nicht widerstehen.

Meine Meinung: * * * * *
Sarah Isserlein ist keine gute Köchin und Hausfrau, denn viel lieber als mit den Kochtöpfen verbringt sie ihre Zeit mit ihrer Zeichenmappe. Sie ist eine begnadete Künstlerin, stößt aber mit ihrem Talent bei ihrer Familie auf Unverständnis. Nach dem Willen ihres Vaters soll Sarah den künftigen Rabbi Aaron heiraten, und die beiden Männer sind sich darin einig, Sarah das Zeichnen zu verbieten, da dies für eine anständige Frau zur damaligen Zeit als ungehörig galt.
Als die junge Frau den Steinmetz Mathes Rockh trifft, ist er der einzige, der ihre Fähigkeiten richtig einschätzt und auch zu würdigen weiß. Er bittet Sarah, ihm bei den Entwürfen für eine Taufkrone zu helfen. Die Sache hat nur einen Haken: Mathes ist ein Christ und Sarah eine Jüdin.
Die finanzielle Lage im damaligen Wien war wohl sehr angespannt, die Staatskasse durch den Krieg mit den Hussiten und durch den Dombau ziemlich geleert. Zusammen mit seinem Kanzler beschließt Herzog Albrecht, sich das Geld von den wohlhabenden Juden der Stadt mit Gewalt zu beschaffen. Sarah und ihre Familie geraten in den Strudel der dramatischen Ereignisse, und auch Mathes kommt zwischen die Fronten und in Gefahr, fühlt er sich doch immer mehr zu der jungen Jüdin hingezogen. Die Freundschaft der beiden geht über das gemeinsame Interesse an der Kunst hinaus und bringt beide in lebensgefährliche Situationen. Und dann gibt es da ja immer noch Aaron.
Beate Maly hat ein bestürzendes Bild der dramatischen Ereignisse gezeichnet, die größtenteils auf Wahrheit beruhen. Es ist erschreckend, dass auch damals die Juden als Prellbock herhalten mussten und von den meisten Christen geächtet wurden. In der Darstellung der Autorin hat Sarah und zumindest ein Teil ihrer Familie das Glück, verständnisvolle und mutige Freunde zur Seite zu haben, die sich nicht einschüchtern lassen. Die Liebe zwischen Sarah und Mathes ist sehr realistisch und anrührend beschrieben.
Dieser ergreifende Roman über die tiefe Kluft zwischen Menschen, die doch letztendlich alle an den gleichen Gott glauben, macht nachdenklich und traurig, denn die beschriebenen Schicksale lassen sich leider auch auf andere Zeiträume der Geschichte übertragen.

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