Sonntag, 28. Dezember 2008

Sehnsucht nach Elena - Joel Haahtela


Poetisch und spannungsvoll – am besten zu lesen an einem traumverlorenen Sommertag: Nach seinem federleichten Roman »Der Schmetterlingssammler« erzählt der Finne Joel Haahtela auch in seinem neuen Buch von der Liebe: Auf der Suche nach der geliebten Frau stellt ein Mann sich seiner schmerzvollen Vergangenheit.

»Ich weiß fast nichts über sie. Nur ihren Namen. Elena. Ihr Gang ist mir vertraut, die Art, wie sie sich kleidet. Ich habe ihr Gesicht gesehen, das die Welt zu einem besseren Ort macht.« In einem Park sieht er die schöne junge Frau zum ersten Mal. Diese zufällige Begegnung reißt den alten Mann aus seinem einsamen Alltag. Sofort erscheint ihm Elena seltsam vertraut, seine Sehnsucht nach ihr wächst mit jedem Tag. Er möchte ihr nah sein, sie hören und fühlen. Die tiefempfundene Zuneigung zu ihr lässt ihn schließlich ungeahnte Kräfte entwickeln: Er tritt eine Reise an, die ihn nicht nur zu Elena ans Meer führt, sondern in seine eigene, schmerzliche Vergangenheit, die das Geheimnis seiner Sehnsucht birgt.




Meine Meinung: * * * * *
Es ist eine kleine Geschichte der leisen Töne. Der Ich-Erzähler schildert seine ersten Begegnungen mit einer jungen Frau im Park. Er kennt sie nicht und sie nimmt ihn nicht bewusst wahr. Aber jeden Tag geht er in den Park und wartet, ob sie vorbei kommt. Eines Tages findet er ein von ihr liegen gelassenes Buch und liest ihren Namen, der darin vermerkt ist: Elena.
Über den Erzähler erfährt man sehr wenig. Ich habe mir immer wieder Fragen gestellt:
Was macht er wohl, wenn er nicht gerade im Park sitzt und auf Elena wartet?
Ist es nur eine Schwärmerei oder mehr, was ihn mit der jungen Frau verbindet?
Und was hat es mit dem leeren Zimmer auf sich, von dem er erzählt?
Er scheint in den Tag hinein zu leben, und seine Handlungen und Gedanken drehen sich immer wieder um Elena.
Wie in einem Tagebuch, in knappen Kapiteln, die selten mehr als zwei Seiten umfassen, beschreibt der Erzähler in gewisser Weise distanziert und doch poetisch seine Umwelt. Obwohl er sehr genau beobachtet und Stimmungen präzise schildert, hatte ich das Gefühl, als würde ihn das meiste letztendlich gleichgültig lassen.
Als Elena eines Tages nicht mehr vorbei kommt, ist er völlig verwirrt und macht sich nach einiger Zeit auf die Suche nach ihr.
Er findet nicht nur Elena sondern taucht in seine eigene Vergangenheit und in Erinnerungen ein. Erst im dritten Teil des Buches offenbart der Erzähler mehr über sich, sein Schicksal und seine Liebe.
Es ist eine ergreifende Geschichte für die stillen und nachdenklichen Momente. Sie handelt nicht von großen Ereignissen und ist doch überraschend und spannend und auf jeden Fall wunderschön zu lesen.

Samstag, 27. Dezember 2008

Der Weihnachtsquilt - Jennifer Chiaverini


Eine zauberhafte Weihnachtsgeschichte!
Eine Patchworkdecke führt zwei Frauen zurück in die Vergangenheit - und zeigt ihnen, dass alte Familientraditionen nach wie vor lebendig sind. Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Patchworkdecke, die nie vollendet wurde - bei den Vorbereitungen zum Weihnachtsfest in Elm Creek werden für Sylvia und Sarah viele Erinnerungen wach. Vier Generationen von Frauen ihrer Familie haben an der wertwollen Decke gearbeitet, sie selbst eingeschlossen. Und während sie die Muster betrachten, tauchen Erinnerungen an vergangene Weihnachtsfeste wieder auf. Alte Familientraditionen und die einfachen Freuden des Schenkens und Beschenktwerdens haben die früheren Feste geprägt. Können sie auch heute helfen, eine moderne, weit verstreut lebende Familie zusammenzuhalten und zu versöhnen? Warmherzige Familiengeschichte um Traditionen und Erinnerungen zum Fest der Feste.


Meine Meinung: * * * *
Sylvia kehrt nach langen Jahren wieder in die Heimat ihrer Kindheit zurück und bewohnt, zusammen mit Freundin Sarah und ihrem Mann, den alten Familienbesitz. Als die beiden Frauen auf dem Speicher nach dem traditionellen Weihnachtsschmuck suchen, finden sie einen angefangenen Quilt. Das unfertige Teil weckt vielfältige Erinnerungen und Gefühle in Sylvia. Sie denkt über ihre Kindheit nach, und ihr fallen viele unterschiedliche Begebenheiten und Zeiten ein. Sehr unterschiedlich sind diese Rückblicke über vier Generationen der Familie Bergström. Es sind sentimentale, zum Teil fröhliche aber auch viele traurige und erschütternde Begebenheiten und Traditionen, die hier wieder aufleben. Der Schwerpunkt der ganzen Geschichte liegt bei dem Verhältnis zwischen Sylvia und ihrer Schwester Claudia. Hier hat es die Autorin teilweise etwas zu gut gemeint, den die vielen Streitereien und Zwistigkeiten der Schwestern sind sehr detailverliebt geschildert, was ich zeitweise recht langatmig fand. Auch die verschiedenen Techniken und Muster des Quilts sind sehr ausführlich geschrieben. Quilterinnen und Patchworkerinnen haben ganz sicher noch mehr Freude an dem Buch. Insgesamt kann ich es als gemütliche Lektüre für die Zeit zwischen den Jahren empfehlen. Es läßt einen nachdenken und auch zur Ruhe kommen. Und schon die Einbandgestaltung ist ein Genuss für's Auge.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer

Erstaunlich, wie wenig Worte notwendig sind, um Leidenschaft zu entfachen. Sie müssen nur richtig gewählt sein und zur rechten Zeit kommen. Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Bald gibt Leo zu: "Ich interessiere mich wahnsinnig für Sie, liebe Emmi. Ich weiß aber auch, wie absurd dieses Interesse ist." Und wenig später gesteht Emmi: "Es sind Ihre Zeilen und meine Reime darauf: die ergeben so in etwa einen Mann, wie ich mir plötzlich vorstelle, daß es sein kann, daß es so jemanden wirklich gibt." Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten persönlichen Treffen kommt, aber diese Frage wühlt beide so sehr auf, daß sie die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern. Außerdem ist Emmi glücklich verheiratet. Und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und überhaupt: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?



Meine Meinung: * * * * *
Eigentlich möchte Emmi nur ein Zeitschriften-Abo kündigen, aber durch einen klitzekleinen falschen Buchstaben in der Email-Adresse landet ihre Mail bei Leo. Anfangs amüsiert, später dann interessiert, schreiben sich die beiden dann über ein Jahr lang Mails, teilweise im Stunden- ja sogar im Minutentakt. Ich habe mir dieses Buch gemütlich vorlesen lassen. Andrea Sawatzki und Christian Berkel als Sprecher waren eine gute Wahl. Die beiden bringen sehr viele Emotionen in die gegenseitigen Mails. Man könnte meinen, ein Roman, der ganz aus gegenseitigen, elektronischen Briefen besteht, sei langweilig, aber weit gefehlt.
Diese moderne Kommunikationsform erweist sich als sehr vielseitig. Die Mails sind teils romantisch, teils witzig, nachdenklich und tiefgründig. Das Ende fand ich erst überraschend, aber es ist meiner Meinung nach ein gutes Ende, vielleicht das einzig machbare, und auch hier spielt wieder ein kleiner Buchstabe eine große Rolle..... Dieses wunderbare Hörbuch kann ich nur empfehlen!

Sonntag, 14. Dezember 2008

Hexentage - Michael Wilcke


Kurzbeschreibung:
Ein Hexenjäger, verliebt in eine "Hexe - Es ist kein gewöhnlicher Hexenprozeß, der im August 1636 in Osnabrück beginnt. Der Bürgermeister der Stadt läßt die Frau eines angesehenen Apothekers wegen Teufelsbuhlschaft in den Kerker sperren. Aus Minden kommt der Student Jakob, um die Anklage mit einem Gutachten abzusichern. Doch wenig später verliebt er sich in die schwangere Sara, die hinter der Anklage gegen die Apothekerin nur dunkle Machenschaften des Bürgermeisters vermutet. Auch sie wird als Hexe in den Kerker geworfen. Ein packendes Liebesdrama - eine ungewöhnliche Hexengeschichte, die auf historischen Tatsachen beruht.

Meine Meinung: * * * * *
Michael Wilcke entführt seine Leser nach Osnabrück ins Jahr 1636. Dort begegnet man Jakob, der zusammen mit seinem Brautvater beim Bürgermeister der Stadt eingeladen ist, um einem Hexenprozess beizuwohnen. Jakob hat große Zukunftspläne, er möchte die Juristerei studieren und gegen Hexerei zu Felde ziehen. Als Jakob etwas später die hoch schwangere Sara kennenlernt, ist er fasziniert von der ungewöhnlichen, starken Frau und stellt, nach ausführlichen Gesprächen mit Sara und eigene Beobachtungen, mit der Zeit die Methoden und Beweggründe des Bürgermeisters in Frage. Zusammen versuchen die beiden, den inhaftierten Frauen zu helfen und bringen sich dabei selbst in Gefahr.
Die Geschichte ist sehr fesselnd erzählt, und da sie zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht, habe ich auch gleich auf der Seite des Autors gestöbert. Michael Wilcke hat viel Interessantes und auch Bildmaterial über die historisch belegten Teile der Geschichte und den Handlungsort zusammengetragen, es lohnt sich auf jeden Fall, auch dort einmal nachzulesen. Erschreckend finde ich immer wieder, dass die meisten Hexenverfolgungen und Prozesse nicht im tiefsten Mittelalter stattgefunden haben sondern in der angehenden Neuzeit, und beide Konfessionen hatten daran ihren Anteil.
Der Autor schildert die Verhöre und die Wasserprobe sehr intensiv, und ich gebe zu, ich mußte bei diesen Kapiteln einiges überfliegen, denn die Beschreibungen gingen mir sehr an die Nieren. Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen, wenn mir auch Sara teilweise etwas modern vorkommt, was sicher auf ihre Vergangenheit und ihren längeren Aufenthalt im Orient zurückzuführen ist. Und Menschen, die kritischer und besonnener waren als die große Menge, gab es glücklicherweise schon immer.

Kleine Überraschungen, die das Lesen noch schöner machen:
Mit Anja habe ich Seife und Creme gegen Wolle getauscht, und sie hat mir diese wunderschöne, selbst gemachte Buchhülle als Überraschung mit ins Päckchen gelegt. Sie ist nicht nur dekorativ, sondern ganz nebenbei auch noch sehr praktisch, denn sie hat ein angenähtes Lesezeichen. Man kann sie für gängige Taschenbuchformate benutzen und die Hülle verstellen, je nachdem ob man ein dickes oder dünneres Buch liest.
Hier nochmal ein herzliches Dankeschön an die liebe Anja!

Freitag, 5. Dezember 2008

Tatiana und Alexander - Paullina Simons

Da mir "Die Liebenden von Leningrad" so gut gefallen hat, wollte ich gleich weiterlesen und habe mir den Folgeband besorgt:



Auch zu diesem Buch gibt es wieder eine Leserunde bei den Büchereulen: Tatiana und Alexander. Im Moment ist die Diskussion dort allerdings nicht sehr rege. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Leser ähnlich empfinden wie ich, der Roman ist größtenteils sehr deprimierend. In diesem zweiten Band steht das Kriegsgeschehen im Vordergrund und wird, für meinen Geschmack, zu sehr in die Länge gezogen und zu langatmig geschildert. Gerade in der Adventszeit ist dies vielleicht nicht die schönste Lektüre.

Meine Meinung: * * * *
Den Mittelteil empfand ich als sehr langatmig und teilweise "aufgewärmt", da es sehr viele Rückblicke und Zeitsprünge gibt. Gerade die immer wieder eingeblendeten Erinnerungen fand ich störend und hatte den Eindruck, dass hier nur eine gewisse Seitenzahl erreicht werden sollte. Der letzte Teil hat allerdings vieles wieder positiv ausgeglichen, denn es ist noch richtig spannend geworden.